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Gerichtsakt Franz Fuchs - Auszüge

Psychologisches Gutachten (Dr. Thomas Müller)

ZITAT 1: "Aufgrund des umfangreichen vorhandenen Täterverhaltens wurde von einer einzelnen Person ausgegangen. Sämtliche zehn Briefbomben wurden von einer Person gebaut, wobei von der selben Person die Kuverts beschriftet, die Logistik der Aufgabeorte erstellt sowie die Breifbomben ebenfalls von der selben Person eingeworfen wurden". [...]

[...] Ende August 1994 wurde der KPsD von der EBT ersucht, eine Ersteinschätzung zum Minenbombeneinschlag bei der Renner-Schule in Klagenfurt zu geben, wobei damals mitgeteilt wurde, daß aufgrund des komplexen Schaltungsaufbaues und der abermaligen Verwendung von alltäglichen Gebrauchsgegenständen, insbesondere der Verwendung eines nicht militärischen Sprengstoffes, der Auswahl der Örtlichkeit, des Zeitablaufes des Verbrechens ein möglicher Zusaamenhang mit der BB-Serie im Dezember 1993 bestehe.
Dagegen sprach allerdings die plötzliche Risikobereitschaft des Täters persönlich die Bombe zu hinterlegen, was aus verhaltensanalytischer Sicht einen interessanten aber deutlichen Unterschied zur BB-Serie I darstellt. Diese erhöhte Risikobereitschaft wäre aus verbrechensanalytischer Sicht nur dadurch erklärbar, daß er die Örtlichkeit genauer kennt oder das Ausmaß des von ihm geplanten Verbrechens der eigentlichen Motivlage mehr entspricht. Diese Einschätzung wurde ebenfalls mündlich einem Mitarbeiter der EBT mitgeteilt. [...]"

KOMMENTAR: Wenn die persönliche Hinterlegung der Bombe (=Hinterlegung durch Täter) ein deutlicher Unterschied zur BB-Serie I ist, dann wurden die Briefbomben der Serie I nicht "ebenfalls von der selben Person eingeworfen". Somit hat Dr. Thomas Müller einen Bruch im Conclusio-Bereich erlitten. Eine Briefbombe gilt -allein durch die Bezeichnung und im Sinne des strafrechtlichen Tatbestandes- schon beim Einwurf in den Briefkasten als persönlich hinterlegt. Ein Widerspruch innerhalb des selben Gutachtens, wenige Absätze später.

ZITAT 2: "[...] Der Erbauer der BB-Serie I ist ident mit dem Briefbombenbauaer der Serie II. Abweichendes Verhalten innerhalb der Bauweise, z.B. der Verwendung anderer Materialien eines anderen Sprengstoffes und des Umstandes, daß alle vier Briefbomben bewußt unscharf versendet worden sind, standen in keinem so großen Widerspruch zur Tatsache, daß Serie I und II von der selben Person erbaut worden sind. [...]"

KOMMENTAR: Ein Vergleich mit späteren Gutachten führt zu dem Schluß, dass "abweichende" Merkmale nach Belieben berurteilt wurden. Bestes Beispiel: Bekennerschreiben wurden als nicht authentisch aus dem Verfahren ausgeklammert, weil die Briefmerkmale von den "Originalschreiben" abweichten.

Vergleich 1: Zitat aus der Analyse der Briefbomben-Serie nach Rumänien (Autor: das österreichische Innenministerium): "Die Adressaten auf den 4 Buchbombenattrappen von Rumänien sind mit einer Schrifttype verfaßt, wie sie der nationalen rumänischen Schrifttypentabelle zugrunde liegen. [...] Jede weiteren kriminaltechnischen Vergleiche mit den Schrifttypen der BBA-Briefe können daher unterbleiben [...]".

Vergleich 2: Analyse des "nicht authentischen" Bekennerschreibens an "Simplicissimus" nach der Verhaftung von Franz Fuchs, unterzeichnet von einem Beamten aus dem Innenministerium:
"1) [...] Das Logo ist eine Reproduktion des ursprünglichen Briefkopfes mit anderen Abmaßen [...]
3) Die Adressaten in Form der Simplicissimus Verlags-GmbH und Der Spiegel sind in den Schreiben der BBA bisher nicht angesprochen worden.
4) In den bislang als authentisch eingestuften BBA-Schreiben wurden Begriffe gebraucht wie Staatspolizei, Stapo, Exekutivbeamte und Ermittler, von der Gestapo und die Art dieser Schreibung war bisher nicht die Rede gewesen. [...]".

TATORT OBERWART. UNTERSUCHUNGEN NACH DEM VIERFACHEN MORD AM 4. FEBRUAR 1995

Das Wasser im Gipssockel der Rohrbombe hatte einen Tritiumwert (3H) von ca. +203 TE. Was ist 3H? Tritium (griechisch: der Dritte) ist ein Isotop des Wasserstoffs. Tritiumoxid oder überschweres Wasser ist eine chemische Verbindung. Tritiumoxid kommt in der Natur nur in sehr geringen Mengen vor. Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Tritiumoxid.

Laut Interpretation der Isotopenanalyse (Stand: 5.11.1997) zeigten die Messungen im Haus des Franz Fuchs in Gralla in dem Zeitraum 14.-16.10.1997 -mit Ausnahme des Wohnzimmers- ganz normale Werte, vom max. 1,5 TE. Die eindeutige 3H-Anreicherung im Wohnzimmer war lt. Untersuchung entweder auf bewußte Markierung mit 3H, oder auf Adsorption aus der Luftfeuchtigkeit zurückzuführen.

Hier kann man sich die Frage stellen, woher die mit Tritium imprägnierte Luftfeuchtigkeit kommt. Etwa aus dem Wasser? Und kann der oben angegeben Wert von 24,5 in der Wohnzimmer-Atmosphäre den Wasserkonzentrationswert von +203 TE erklären? Aber das ist eine Frage für Experten.

Hier die Erklärung der Staatsanwaltschaft für den Tritiumgehalt im Wasser (Zitat aus der Anklageschrift): "[...] Vor der Verwendung hatte er das Wasser in einem Eimer einige Zeit hindurch in seinem Wohnzimmer abgestellt. Dadurch konnte sich die Flüssigkeit mit dem in der Wohnzimmerluft ausserordentlich konzentriert enthaltenen Wasserstoffisotop Tritium enreichern. Spätestens bei seinen umfangreichen Versuchen mit Weckern für die Zeitschaltung der Sprengbombe von Klagenfurt war das Wohnzimmer mit dieser in den Leuchtziffern einiger Uhren enthaltenen radioaktiven Substanz imprägniert. [...]"

Unter http://www.sonnblick.net/portal/content/view/77/261/lang,de/ habe ich eine weitere Erklärung für den hohen Tritiumgehalt in der Atmosphäre gefunden. Offenbar bedarf es -um diese Konzentration zu begründen- mehr als der "Leuchtziffer einiger Uhren":
“Im Zuge der oberirdischen Kernwaffentests im Kalten Krieg der 1950er und 1960er Jahre wurden große Mengen an Tritium frei gesetzt. Sie übertrafen jene aus natürlichen Quellen – etwa kosmische Strahlung – um das 200-fache. Betrachtet man diese Strahlenemissionen nicht aus dem Blickwinkel des Strahlenschutzes, können sie als eine Art globaler Markierungsversuch aufgefasst werden. Und dementsprechender Nutzen daraus gezogen werden.
Jene chemische Verbindung, in der Tritium am häufigsten angetroffen wird, ist Wasser (HTO). Als Wasser nimmt das Isotop am hydrologischen Kreislauf teil und wird als Luftfeuchte mit den Luftmassen über große Distanzen transportiert.”
Diese Erklärung gilt aber kaum für den konkreten Fall.

...

Am 18.12.1997 meldet das österreichische Innenministerium die Auffindung einer Knopfbatterie am 24.11.1997 am Tatort Oberwart.
Aus dem Bericht: "In der Nacht zum 24.11.1997 fielen in Oberwart rund 5 cm Naßschnee [...]." Die weitere Analyse ergab: "Erwähnenswert ist jedoch, daß die Fundknopfzelle selbst bei 40 facher Vergrößerung [...] keine Lötspuren bzw. grobe mechanische Veränderungen aufweist. Dieser Umstand wäre bei der Befragung von FUCHS weiter zu erläutern. (Wie war die angebliche Knopfzelle mit der Timerschaltung verbunden? etc.)"

Befund des Sachverständigen Oberrat Ingo Wieser am 19.12.1997


"Zusammenfassung: Ein Zeitglied, wie es der Beschuldigte Franz Fuchs in den Vernehmungen beschrieben hat, konnte in den vorhandenen Spuren und im Zuge der Nachsuche nicht gefunden werden. [...] Speziell von jenen Rohrteilen, auf denen dieses Zeitglied befestigt gewesen sein sollte, konnten keine Splitter gefunden bzw. zugeordnet werden. [...] Die von ihm beschriebene Stahlkammer bestand aus Aluminiumröhren. [...] Die Behauptungen des Beschuldigten bezüglich des Zeitgliedes stehen nicht in Widerspruch zu den objektiv aufgefundenen Spuren."

Vgl. mit Niederschrift Franz Fuchs am 28.10.1997 : "Es gab ein Innenrohr [...] welches mit Nitroglyzerin gefüllt war. Diese steckte unten in einer Stahlkammer [...]"


Letzte Änderung am Donnerstag, 2. März 2017